für meine Tochter, für ein Mädchen

Du hast dich beschwert, weil du nicht mitspielen durftest. Weil du ein Mädchen bist, haben die Buben gemeint. Weil Mädchen keine Bubenspiele spielen können. Sie meinten, du bist zu schwach, zu langsam, zu ungeschickt, zu dumm. Du warst traurig, später zornig. Du konntest nicht verstehen, was sie meinten, denn schließlich hast du sie beim Wettlauf geschlagen, hast sie beim Klettern drei Sprossen unter dir stehen lassen und beim Lösen von Aufgaben zünden deine Ideen. Und obwohl sie das wissen, schließen sie dich aus. Das macht dich sauer. Ihre Rechtfertigungen und ihre Vehemenz irritieren dich. Denn du willst mitspielen, ihr Spiel wohlgemerkt, das nach Bubenregeln funktioniert und das Mädchenmitspieler schlichtweg nicht vorsieht.

 

Ich würde dich gerne trösten und dir von deiner Zukunft erzählen, in der solche Spiele der Vergangenheit angehören. Doch das kann ich nicht, auch wenn die offiziellen Spielregeln etwas anderes besagen. Die Spieler spielen noch immer ihr Spiel und solange keiner hinsieht gelten Bubenregeln, weil sie es sind, die dieses Spiel seit Jahrhunderten spielen, bei dem wir Frauen mitspielen wollen und mitspielen, indem wir uns ihren Regeln unterwerfen. Und selbst wenn wir Mädchenspiele spielen, spielen wir sie nach Bubenregeln, weil diese Regeln wiederum Regeln bedingen. In einer Gedankenwelt, die diesen Unterschied noch immer als relevant erachtet, indem wir ihn ständig betonen.

 

Ich habe aufgehört, Spiele zu spielen, deren Regelwerke auf diesem Unterschied basieren. Ich unterscheide nicht mehr - nicht, weil es keinen Unterschied gibt, sondern weil ich ihn als unwesentlich erachte. Er ist der Rede nicht wert, der Handlungen folgen lässt, die uns in Rollen drängen aus denen heraus wir unser Leben leben. Ich halte mich nicht an diese Regeln die mein Dasein als weiblicher Mensch reglementieren. Ich spiele mein Spiel, nach dem Prinzip ich und du. In diesem Sinne erziehe ich dich, indem ich es dir vorlebe. Mit allen Konsequenzen, die auch du zu spüren bekommst, wenn mein oder unser Leben an den Pranger gestellt und verurteilt wird. Auch das findet statt. Denn Menschen, die nicht mitspielen, sind regelwidrig und werden dafür sanktioniert. Mit Kopfschütteln, Ausschluss aus Gemeinschaften, mit dem Entzug der Existenzgrundlage, bis hin zur Auslöschung. 

 

Deshalb kann ich dich nicht trösten. Behalte deine Wut und wandle sie zur Kraft, die dich das durchstehen lässt. Du wirst sie brauchen, glaube mir. Sei stark, Mädchen. Spiele dein Spiel, halte dich an deine Regeln und setze auf Mitspieler, die um deiner Selbst willen mitspielen wollen. Auf Menschen, die wiederum ihr Selbstverständnis nicht auf ihrem Geschlecht begründen. Mach dich frei von Konventionen, von der Meinung anderer - Spatzi, scheiß drauf! - und lebe freier als sie es sich erlauben.Und selbst wenn du dich entscheidest, ihr Spiel mitzuspielen, dann spiele es um deinetwillen. Weil du es willst und nicht, weil du ein Mädchen bist!

 

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Kommentare: 3
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