Und wer nicht weiß, weiß auch nicht alles

Wer weiß, dass er nichts weiß, weiß auch nicht alles. Ein kleiner Übersetzungsfehler macht diesen gern zitierten Irrtum erst möglich, denn Sokrates meinte wörtlich übersetzt: "ich weiß als Nicht-Wissender".

Das Wissen um das Nicht-Wissen ist ein Hinterfragen "was man zu wissen meint". Eine Auseinandersetzung mit Scheinwissen, das scheinbar mit der Vereinfachung von Umständen einhergeht. Sokrates fragt sich, was man wissen kann und wenn man Popper glauben schenkt, so ist das Wissen um das Nicht-Wissen, die einzige Möglichkeit überhaupt etwas wissen zu können. Wobei dieses Nicht-Wissen all das ist, was man weiß, wissend, dass man nie alles nicht weiß - dafür müsste man Wissen und das tun wir eben lt. Popper nicht.

Was das mit Dir zu tun hat? Eigentlich alles! Was recht kompliziert klingt ist die Beschreibung unserer täglichen Irrtümer. Wir gehen davon aus, dass wir wissen, ohne zu wissen, was wir eigentlich nicht wissen. Wir beobachten eine Situation, interpretieren sie und glauben zu wissen, dass das was wir interpretieren die Wahrheit ist, die der Situation inne wohnt. Wie sonst könnten wir eine Meinung dazu haben? Das, was wir nicht wissen, weil es sich uns entschließt, wird als Nicht-Wissen ausgeblendet und spielt so lange keine Rolle, bis wir mit unserer Interpretation falsch liegen (Falsifikation). Das könnten wir daran merken, dass unsere Erwartung nicht erfüllt wird, ein Ergebnis anders ausfällt, etc. Kommt es zu weiteren Erklärungen, sagen wir bestenfalls: "sorry, das habe ich nicht gewusst!" Zu oft halten wir jedoch an unserem "Wissen" fest und lassen uns nicht von dem was wir nicht wussten irritieren, geschweige denn, dass wir uns von unserer Meinung, basierend auf Scheinwissen, abbringen lassen. (Kennen wir doch alle, oder?)

Im Leben hantieren wir also meist mit Scheinwissen ohne es uns permanent bewusst zu machen. Das macht auch Sinn, denn die bloße Vorstellung der permanenten Irritation macht schwindelig. Gleichzeitig kann uns dieses Bewusstsein helfen, die eigene Position - unser Scheinwissen - in Frage zu stellen, indem man sich kein Versagen unterstellt sondern die Unmöglichkeit alles Wissens einräumt. Vielleicht gelingt es uns damit leichter, anderes "nicht wissen" genauso stehen zu lassen, wie das eigene. 

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Kerstin Feirer

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