Die eigene Angst ist das Monster, das wir fürchten

"Ich fürcht mich halt nicht..." sage ich und er: "was redest Du - sicher fürchtest Du Dich. Das ist zum Fürchten!" "Für mich nicht!" entgegne ich und merke, dass wir einander überhaupt nicht verstehen. Es scheint sinnlos, sich weiter darüber zu unterhalten aus Ermangelung an Vorstellungskraft. "Fürchten ist vielleicht zu persönlich," werfe ich ein um das Gespräch am Laufen zu halten," es kann durchaus sein, dass wir uns vor ähnlichem fürchten. Ob bzw. in welcher Intensität wir das tun, lässt sich vermutlich nicht feststellen. Weil es eben nicht um die Situation geht...." 

 

Wir haben vermutlich alle Angst. Die einen fürchten sich vor dem Leben, die anderen vor dem Tod. Manche mehr, andere weniger. Wovor wir uns fürchten und wie wir es tun, darüber lässt sich keine allgemein gültige Aussage treffen auch wenn es manchmal den Anschein hat, als ob wir Ängste teilen. Die Angst ist ein Gefühl. Ein Hinweis auf Unsicherheit, die uns Unbehagen bereitet. In welchen Situationen sich dieses Gefühl einstellt, hängt von vielen Puzzlesteinen ab, die erst in uns zusammengesetzt Angst machen oder eben nicht. Wir machen uns selbst Angst, ohne dass wir darauf zu hundert Prozent Einfluss haben. Manche Angst lässt sich leicht erklären, andere Ängste sind genauso diffus wie der Schatten, vor dem wir uns fürchten. Was jedoch geschieht ist, dass wir Situationen als absolut Angst machend klassifizieren (also für jedermann gültig) nur weil wir uns fürchten. In dieser Annahme fühlen wir uns bestärkt, wenn andere scheinbar DIESE Angst mit uns teilen. Das geht recht schnell und einfach, solange wir lediglich über Situationen sprechen und die eigene Angst allen anderen unterstellen, die meinen, dass sie sich auch davor fürchten. Vor dem Löwen beispielsweise, der gerade vor uns steht. Aber haben wir Angst vor dem Löwen? Oder fürchten wir uns davor, gefressen zu werden? Und selbst hier scheiden sich die Geister: mich beschäftigt nicht der Gedanke mit einem Schnapper verspeist zu werden. Ich habe Angst, schwer verletzt zu überleben. Ich fürchte die Schmerzen. Und wer weiß, vielleicht denkt der Katzenhaarallergiker ans Ersticken. Ein Löwe ist also nicht zum Fürchten. Es sind unsere eigenen Ängste, die uns fürchten machen.

 

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Kerstin Feirer

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