Ein Ausgang ist ein Eingang

Jeder Ausgang ist ein Eingang. Man geht von Draußen nach Drinnen, von der Küche hinein ins Wohnzimmer, von der Kindheit ins Erwachsenenalter, von einer Aufgabe in die nächste, vom Leben in den Tod. Ziele, ob selbst gewählt oder vorgesetzt, liegen vor uns und ihr Erreichen ist wie das Eintreten in einen neuen, unbekannten Raum, von dem wir uns bestenfalls vorstellen können, wie er für uns sein könnte. Wer wir sein werden, wenn wir die Schwelle überschritten haben, bleibt oft ein Geheimnis, solange wir uns noch vor dem Ausgang befinden. Wissend, dass wir nie wieder als die zurück kehren können, die wir einst waren, bevor wir die Schwelle überschritten haben. Die Zeit schreitet voran, wir verändern uns mit jeder Erfahrung und der Raum, den wir einst verlassen haben, wird nie wieder so gesehen werden, wie er einmal für uns war....

 

Manchmal ist es so, dass wir den Übergang nicht bemerken und irgendwann verwundert feststellen, dass wir ganz wo anders stehen, ohne den Weg dahin bewusst wahrgenommen zu haben. Wir fragen uns, wie es dazu kam, ohne eine andere Erklärung zu finden als "wir haben uns mit der Zeit verändert". Auch wenn wir schon geraume Zeit dort verbracht haben, verspüren in dem Moment des Erkennens, Irritation, die dazu führt, dass wir uns trotz vorherigem Arrangement orientieren müssen. Die wahrgenommenen Übergänge sind es, die uns unseren Wandel begreifen lassen (Referenzsystem). Anders ergeht es uns mit Ausgängen, die wir bewusst ansteuern. Ziele, Prüfungen, Wegmarkierungen, die deutlich sichtbar vor uns liegen, weil sie mit Termin versehen sind und ein konkretes Tun erfordern. In diesem Fall stellen wir uns die "was dann?" Frage. Uns ist klar, dass egal welchen Ausgang wir nehmen, immer etwas auf uns wartet, was wir in der gesamten Beschaffenheit nicht vorhersagen können. "Was kommt, kommt" beruhigt nicht, wissen wir doch, dass etwas kommt. Wir lassen die Dinge nicht auf uns zukommen, da wir es sind, die sich auf die Dinge zubewegen, immer auf der Suche nach anderen Auswegen, deren Ausgang sich leichter kalkulieren lässt. Wir biegen ab, gerade noch das Ziel vor Augen, um nicht durch zu müssen. Aus Angst vor dem Ausgang, davor, was unbekannt dahinter liegt. Wir biegen ab und merken gleichzeitig, dass auch dieser Ausgang ein Abschied vom vom hier und jetzt ist. So wie jeder Übergang, jeder Ausgang, jeder Eingang. 

 

Nichts daran ist schlimm, wenn wir verstehen, dass das eben so ist. Dass wir traurig sind, wenn etwas zu Ende geht auch wenn wir froh darüber sind. Ist es doch ein Abschied von einem "alten Bekannten". Jeder Ausgang ein Eingang, jede überschrittene Schwelle ein Point of no return. Was kommt wird sein und zu wem wir werden, wenn wir damit umgehen, bleibt eben jetzt noch ein Geheimnis.

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Kerstin Feirer

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