Wenn Du nichts zum Lachen hast...

...dann lach über Dich selbst! Das hilft. Mir zumindest, seit ich vor geraumer Zeit durch Zufall mit total verheulten Pandaaugenringen und wutverzerrten Mundwinkel meinem Spiegelbild begegnete. Beim Zähneputzen, an einem dieser Tage, an denen man sogar den Sinn des Zähneputzens anzweifelt...

 

Ich stand also vor dem Spiegel und sah in dieses Gesicht, das zweifelsohne meines war. Unfassbar welche Fratze mir da zornig entgegen fauchte. Anstatt die Zahnbürste wie üblich an solchen Tagen zu beißen, sah ich mir zu, wie mein Gesicht über den eigenen Anblick erschrak. Die Überraschung ging schnell in Wut über und die ersten Gedanken, des Selbstmitleids schossen durch meine Gehirnwindungen. Nachdem ich mir ein paar mal gedanklich versicherte, wie arm ich doch sei, begann ich zu weinen. Manno - was für ein Anblick... So sah ich also aus, wenn ich mir selbst besonders leid tat. Die Schulten vielen nach vorne, die Fältchen, die das weinerlich verzerrte Gesicht durchzogen, sorgten für das Ableiten der Tränenbäche. Ich dachte noch "wie erbärmlich!" und schon wurde mein Gesicht wütend. Über mich. Wie konnte ich nur so etwas über mich denken! Die Augen wurden größer - giftiger - aus ihnen sprach die Empörung, die sich furchtbar darüber alterierte, wie ich mir nicht genug leid tun konnte. Ich musste lachen. Zaghaft. Über mein Zoffen mit mir, das sich deutlich in meinem Gesicht abzeichnete. "Schau dich bitte an" dachte ich, mit einer gehörigen Portion Selbstironie um meiner Wut Einhalt zu gebieten. Ich stellte mich hin und bemerkte meine verspannten, nach vorne gezogenen Schultern. Hexenbuckel - mir fehlte nur noch die Katze um dem Klischee zu 100 % zu entsprechen.

 

Hinzu kam das ernste Gesicht. Unglaublich - im Ernst! Ich musste wieder lachen. "So sieht es also in mir aus!" dachte ich.  Kein Wunder, dass ich mich derart beschissen fühle. Ernst und verklemmt. Total verspannt und in der Haltung soll mir noch etwas gelingen? Wohl eher nicht. Ich stellte mich aufrecht hin. Ich legte den Kopf in den Nacken und zauberte ein Lächeln auf meine Lippen. Das konnte ich zwar nicht sehen, gut so - es wäre bestimmt nicht mein bestes gewesen. In dieser Haltung dachte ich jetzt nochmal über meinen Scheiterhaufen (um dem Bild der Hexe gerecht zu werden) nach. Was mich vorher zu Boden zog, war jetzt verschwunden. Mein Körper ließ keine Verzweiflung zu. Meine Gedanken strengten sich wirklich an um all das Grauenhafte wieder hervorzuholen, das mich kurz zuvor noch total fertig gemacht hat. Weg! Nicht das Problem, nur das Gefühl total am Arsch zu sein war verschwunden. Ich lächelte - entspannter. Ich sah mir wieder ins Gesicht. Nicht mehr ganz so ernst aber noch immer zu ernst, um die Sache lockerer nehmen zu können. Ich betrachtete meine Mascara verschmierten Pandaaugenringe. Das sah komisch aus. Wäre ich ein Kätzchen, würde dieses Gesicht die Sozialen Medien rocken. Eine Million Likes für das grantige Kätzchen, das aussieht wie ein Panda. Jetzt lachte ich. Über mich. Weil ich so dreinschaute. Mich selbst zu ernst nahm. Alles zu ernst nahm und dabei mich und alles um mich herum verspannte. Ich versuchte noch einmal mein wütendes Gesicht. Das wurde zum Lacher! Denn wer versucht, lachend wütend zu werden, wird echt zum Knaller!

 

Nun gut - ich habe in diesen 15 Minuten keine Lösungen gefunden. Ich habe in der Zeit nichts geklärt und was damals auf meinem Schreibtisch lag, hatte sich in der Zwischenzeit nicht in Luft aufgelöst. Ich habe mich nur besser gefühlt. Meine Haltung verändert und endlich  wieder mal gelacht. Das hat gut getan und mir geholfen, mich und mein Drama nicht ganz so ernst zu nehmen. Seither lache ich über mich selbst, wenn ich nichts mehr zu lachen habe und es hilft mir, mich besser zu fühlen.

 

Wenn es Dich interessiert, welchen Einfluss Dein Körper auf Deine Psyche und umgekehrt hat, dann mach Dich über Embodiment (Maja Storch) schlau... 

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Kerstin Feirer

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