Keine Panik, es ist nur Angst...

...sage ich mir, wenn sie über mich einfällt wie ein Schwarm Heuschrecken der jeden Gedanken an Hoffnung verschlingt, nichts stehen lässt, außer die unfruchtbare Erde, die sich gerade noch lockern lässt, mir mein eigenes Grab zu schaufeln. Unfassbar, unbezwingbar. "Keine Panik, es ist nur meine Angst..." ist vermutlich das einzig Vernünftige, was ich in diesen Momenten überhaupt zu denken im Stande bin.

 

In Angst zu sein ist ein furchtbarer Zustand! Und obwohl sie zu den Basisemotionen der menschlichen Existenz zählt, fällt es uns schwer, sich zur Angst zu bekennen. Gerade so, als wäre Angst etwas Fremdes, das hin und wieder von uns Besitz ergreift. Wie ein Dämon, dem wir zum Opfer fallen. "Ich habe Angst" drückt diese Abspaltung aus. Denn was ich habe, bin ich nicht und wie ich dazu komme, muss nichts mit mir zu tun haben...

 

Meine Angst ist mir nicht fremd. Ich leide unter ihr. Es beschämt mich, dass es mir zu selten gelingt, den Ursprung meiner Furcht* (*also die bewusste Reaktion auf eine gegenwärtige oder vorausgeahnte Gefahr) aus dem Weg zu räumen, um endlich nicht mehr mit der zugrunde liegenden Angst leben zu müssen, wissend ihr nie entkommen zu können, solange ich lebe.

 

Sie ist ein ganz natürlicher Teil von mir. Warum verunsichert es mich trotzdem gerade, hier und jetzt darüber zu schreiben? Ist die Angst nicht etwas, was jeder kennt? Jeder erlebt? Eine allen Menschen gemeinsame Empfindung mit der jeder Erfahrung hat? Also warum rede ich nicht offen darüber und warum bekomme ich Angst, wenn ich die eigene zur Diskussion stelle? 

 

Für mich ist es furchtbar, mit der eigenen Angst allein zu sein. Und gleichzeitig habe ich Angst, dass sich dieses "Alleinsein mit der Angst" im Außen bestätigt, indem sie als Teil von mir nicht geteilt werden kann. Erst im Außen wird deutlich, wie eigen die Angst ist und das Haben der Angst  wird zum Sein, also existenziell. Was unangenehm ist, weil ich mich nicht von mir selbst entledigen kann, ohne Aufgabe der eigenen Existenz, die es ja zu erhalten gilt und vor deren Verlust ich mich ja fürchte... Damit meine ich: obwohl wir alle Angst haben, können wir nur unsere Erfahrungen mit ihr teilen, sie selbst eben nicht und was bleibt ist ein Eindruck von fundamentaler Einsamkeit, die ursächlich die eigene Existenz begründet wie vernichtet. Was für ein Zustand...

 

Eigentlich sollte jetzt die gute Nachricht kommen. Am besten ein Patentrezept, wie mit der Angst umzugehen ist, am allerbesten unabhängig davon, was im Vorfeld beschrieben wurde, denn das ging zu weit ins Eingemachte. Damit kann ich leider nicht dienen, weil diese Auseinandersetzung bereits deutlich macht, dass das Mensch sein aus einem solchen Spannungsfeld hervorgeht. Indem ich mir dessen bewusst werde, dass ich einerseits nicht sagen kann, was meine Existenz ist, muss ich jedoch andererseits eine haben, indem ich ja Angst davor habe, sie zu verlieren. Also was ist mein Sein? Und entspreche ich meinem Sein oder versage ich ihm? Und obwohl mir meine Einsamkeit versichert, dass ich nicht das Gegenüber bin, erinnert mich die Abgeschnittenheit daran, dass mein Sein erst durch das Gegenüber erkannt werden muss... Wow... schwere Kost. Ohne das Thema abschließen zu können, bleiben mehr Fragen als Antworten und eine gehörige Portion Angst, diese nie befriedigend beantworten zu können aber wie gesagt: "Keine Panik, es ist nur Angst..."

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Kerstin Feirer

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