Wie es mir geht? Keine Ahnung...

Mit zwei Strichen Ausdruck vermitteln. Das hätte ich heute vor gehabt. Mimik auf das wesentliche reduzieren, um ganz reduziert das Wesentliche auszudrücken. Eine gute Übung, dachte ich, den Skizzenblock in der Hand und den Blick auf den Spiegel gerichtet, der mir zeigen sollte, wie man aussieht, wenn man also...hmmmm...wie aussieht?

 

Ich saß da und wartete. Auf eine echte Emotion. Ich weiß natürlich, dass ich mir alles vorstellen hätte können. Gleichzeitig wollte ich beobachten, ob es einen Unterschied im Ausdruck macht, ob ich mir eben nur vorstelle, wütend zu sein oder ob ich tatsächlich wütend bin. Die Feinheiten machen es aus, denke ich, und deshalb die Warterei. Aber nichts. Nichts geschah. Nicht einmal Langeweile.

 

Um das Ganze ein wenig zu beschleunigen stellte ich mir natürlich die Frage, wie es mir geht. Wie ich mich gerade fühle und was mich im Moment bewegt. Warm, kam mir in den Sinn. Aber warm ist ein Eindruck. Kein Ausdruck...

 

Zu meiner Enttäuschung, die ich in diesem Moment auch nicht empfinden konnte, fühlte ich scheinbar nichts. Was grundsätzlich kein Posting wert wäre, hätte ich mich nicht gefragt: "Wann hab ich das letzte Mal wirklich nach meinem Befinden gefragt?" Wann habe ich mir zum letzten Mal die Zeit genommen, nach mir zu fragen? Nämlich nicht als Reaktion auf einen Eindruck von außen? "Wie geht es mir damit?" frage ich mich nämlich ständig, nur merke ich jetzt, dass das etwas ganz anderes ist.

 

Vor einigen Jahren konnte ich die Frage nach meiner Befindlichkeit beantworten. Ich hab sie mir regelmäßig gestellt, hatte Übung darin. Doch irgendwann in der Zwischenzeit ging ich dazu über, die emotionale Reaktion auf "Etwas" über das eigene Befinden zu stellen. Ich hatte vergessen, nach mir zu fragen. Ich denke, für eine ganze Weile.

 

Ich bin froh, dass ich heute in das leere Gesicht blicken musste. Der Unterschied wäre mir wahrscheinlich nie aufgefallen und ich hätte weiter mein Empfinden ausschließlich in der Reaktion auf anderes gemessen. Schließlich kann ich mich über etwas freuen, und gleichzeitig müde sein. Ich kann mich über jemanden ärgern und gleichzeitig Glück empfinden. Es sind eben zwei Ebenen, die miteinander nichts zu tun haben müssen, wenn man sie getrennt von einander betrachtet. Und um diesem Umstand Rechnung zu tragen, ist es jetzt an mir, nach mir zu fragen. 

Kerstin Feirer

Langäckergasse 27, 8200 Gleisdorf, Österreich