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Blogmas Tag 13: Stellungnahme
„Warum äußerst du dich nicht mehr zur Politik?“ werde ich gefragt und ich frage mich, wie wenig man von Politik verstehen muss, um mich das fragen zu können.
Meine bloße Existenz ist politisch! Und selbst mein Abgang wäre es!
Zumindest ist das eine Position, die ich vertrete. Es ist eine Perspektive, die besonders in kritischen, feministischen oder soziologischen Traditionen vertreten wird („Das Private ist politisch“).
Mein „privates Leben“ hat gesellschaftliche Auswirkungen. Welche Sprache verwende ich? Wie sieht mein gewähltes Familienmodelle aus? Was kaufe und was esse ich? Und wie arbeite ich? Selbst Gesundheit und was als „krank“ gilt hat gesellschaftliche Relevanz.
All das hat Auswirkungen auf andere, auf Märkte, auf Klima, auf soziale Normen. Dadurch werden scheinbar private Entscheidungen Teil größerer gesellschaftlicher Fragen.
Sobald verschiedene Gruppen unterschiedliche Interessen haben, wird ein Thema politisch. Kleidung beispielsweise. Ist sie unpolitisch? Eher nicht und schon gar nicht, sobald sie Fragen von Religionsfreiheit, Geschlechterrollen oder Sicherheit berührt. Beim Essen ist es ähnlich. Am Ende geht es um Subventionen, Tierwohl oder Klimapolitik und nicht nur darum, ob dir schmeckt, was auf den Tisch kommt. Der auch nicht unpolitisch ist. Seine Herstellung wirft automatisch Fragen zu Arbeitsbedingungen, Ressourcen und Umwelt auf. Auch seine Gestaltung, etwa barrierefrei oder nicht, spiegelt gesellschaftliche Entscheidungen darüber wider, wer teilhaben kann und wer nicht. Und wie Tische genutzt werden, ob für familiäre Gespräche, Verhandlungen oder Ausschlüsse, zeigt bestehende Machtverhältnisse.
Das tagespolitische Gezeter ist also nur die Spitze des Eisbergs. Und wer zu Trump eine Meinung, also meine braucht, um zu verstehen, was abgeht, ist blind, taub und von schwachem Verstand. Wer das Offensichtliche nicht erkennt, ist Teil des Problems. Und wer sich nur mit meinen öffentlichen Aussagen über den Zustand der Welt echauffieren will, hat das, was ich mache, erst recht nicht verstanden.
Machtverhältnisse sind überall. Politik ist nicht nur Parlament und Regierung, sondern auch: kulturelle Normen, soziale Ungleichheiten, wirtschaftliche Abhängigkeiten und in institutionelle Strukturen. „Politisch“ heißt am Ende: Hier wirken Macht, Interessen oder Ungleichheit.
Und ich habe Macht! Die Macht mich zu zeigen. Als Gegenentwurf. Als Beispiel. Als Provokation und als Vorbild. Meine Ansichten habe ich oft genug zum Ausdruck gebracht. Gewarnt habe ich bereits vor Jahren und alles, was kam und noch kommen wird, habe ich zu einem Zeitpunkt benannt, als man mich noch mit „so schlimm wird’s nicht werden“ beschwichtigen wollte. Ich wurde oft nicht ernst genommen. Allen Fakten und Argumenten zum Trotz. Jetzt bin ich Anschauungsmaterial für Zustände, die vielleicht, vielleicht auch nicht, vermeidbar gewesen wären.
Wenn ich also Texte, Gedichte und Cartoons ins Netz stelle, dann nur, weil ich es noch kann und darf. Wenn ich von meinem Leben erzähle, dann bin ich nur eine von vielen. Und dass das nicht honoriert wird, selbst von jenen, die gerne mitschimpfen, wenn ich was zu sagen habe, zeigt sich an nicht vorhandenem Support und Verkäufen.
Darüber bin ich nicht verbittert. Es ist nur ein Befund zur Zeit. Wäre es anders, würden wir in anderen Zeiten leben. Darum mache ich, was mir Freude macht: ich experimentiere mit Textformen, gebe mich meinen Gedanken hin, die ich gerne weitergebe. Ich zeige mich, wenn ich es für angemessen halte und begeistere mich an Sätzen, die ich für gelungen halte. Mehr ist es nicht, weil es alles ist, was es sein kann.







